falling through a world unknown...

  Startseite
    Lyrik & Prosa
    Konzerte
    Musik
    Texte
    Trash Abende
    Mein Egogramm
  Über...
  Archiv
  seen live
  Gästebuch
  Kontakt
 

  Abonnieren
 



  Links
   Mein last.fm Profil



Webnews



http://myblog.de/the-visitor

Gratis bloggen bei
myblog.de





Die neue Zeit

Reine, unverfälschte Klarheit in den Mitteln der Mitteilung, eine verlockende Welt tat sich diesem da auf und es brauchte nicht lange, um ihm die Notwendigkeit ihrer Existenz vor Augen zu führen. Fast war ihm, als wäre sein Dasein vormals leer und unbedeutend, so als seien die vergangenen Jahre Verlorene gewesen und als ob er nur seine Venen an das Herzstück zukünftiger menschlicher Vervollkommnung anzuschließen bräuchte, um dieses Versäumnis vergessen zu machen.
So übergab er sich also frohen Mutes der Maschine, Herr über all die glorreichenen neuen, menschengeschaffenen Kräfte, diese versprühte kurz etwas in seinen Geist, das ihm wie die Abwandlung eines zufriedenen, dankbaren Seufzers schien, auch wenn es nur die normale menschliche Reaktion gegenüber der Abgabe von Verantwortung war, dies sollte er jedoch niemals begreifen.

Von diesem Zeitpunkt an wusste die Bestie Versatzstücke seines Ichs, ähnlich der Saat eines Gärtners, jedoch einem der die wilde, ungezähmte Natur liebt, scheinbar ziellos auszustreuen. Zunächst vermochte dies kaum in seine Aufmerksamkeit zu rücken, schließlich enthielt das Tempelgewölbe des Informationszeitalter einen derartig gewaltigen Raum, dass eine neue Information, eine neue, seiner Obhut übergebene, Lebensform nicht mehr war, als ein einziges Planktonpartikel, das in den Schlund eines Riesenhais wanderte. Doch der Zufall, und nichts als der Zufall, es sei darauf hingewiesen, dass jede Ausformung dieses Falls, wie dieser sich heute darstellt, ausschließlich reiner Willkür und nichts anderem sonst zu verdanken ist, wollte es, dass sich in diesem Datenpfuhl eine metaphorische Blase langsam ausdehnte, genaugenommen also nichts als eine besonders große auf seine Person bezogenen Informationsfülle. Dies war deswegen verwunderlich, da er sich doch nur der Geborgenheit und nichts sonst zu überstellen gedacht hatte, große Aufmerksamkeit wünschte er sich nicht, er war ein durchaus bescheidenes Individuum.
Ihm entglitt die Kontrolle.

Nun wäre dies alleine nicht der Grund für größere Unannehmlichkeiten gewesen, ganz gewiss nicht! Jeder Mensch jedoch, sei er auch noch so rein, gebärdet er sich auch noch so tugendhaft, verbirgt in seinem Inneren etwas, dessen niemand anders als dieser besagte Mensch selbst je gewahr werden sollte. Die Maschine allerdings filterte nicht, ihr war jede Information wie die andere Information, jedes Wissen gleich beliebigem Wissen und jedes Geheimnis gänzlich unbedeutend, man könnte in diesem Falle durchaus von einem Mangel an Sensibilität sprechen. So geschah es also, dass die Einblicke in so manch einen verderblichen und zutiefst verstörenden Gedanken sich langsam in den Informationskosmos ergossen, ohne Aussonderung, ohne jede Klassifizierung.
Natürlich ist sich so mancher der sich dem Wesen anvertraut bewusst, welche Folgen eine Nachlässigkeit, im Bezug auf die Kategorisierung seiner Informationen, nach sich ziehen könnte und trifft somit gewisse Vorkehrungen, doch diesem da, in seiner relativen Unachtsamkeit, ging ein derartiges Wissen um die Erfordernis dessen ab.

Schließlich also gänzlich zerstört, trieb es ihn hoffnungslos umher, fremd war ihm das Informationsgewölbe geworden, abgewendet hatten sich von ihm jene, die das unentschuldbare Wissen um seine Verdorbenheit erreicht hatte. Ein Jeder seiner zahlreichen Rufe nach Gnade und Vergebung verhallte in den gigantischen Schlünden des Ungeheuers „Weltgedächtnis“. Wie konnte er auch erwarten gegen die grausig effektive Willkür, die sich nun leider seiner angenommen hatte, irgendein Mittel aufwenden zu können, das er ihr entgegensetzten konnte. Nimmer würde die Bestie der Erinnerung schlafen, niemals könnte er sich ihr je entziehen, grotesk und geradezu absurd erschien ihm allein schon die bloße Vorstellung daran.
Also war er selbst eines jener Opfer geworden, die ein Jeder, in der Realität in die er sich begeben hatte, für absolut notwendig erachtet. Zuvor hatte er auch nicht anders als so gedacht, die Wahrscheinlichkeit, dass das Spiel ihn erwählen könnte war ihm fremd erschienen. Zweifellos hatte dies stets im Raum geschwebt, meistens unbemerkt, doch ständig präsent, wie eine dubiose Erscheinung, irgendwann WÜRDE ein Opfer gefordert werden, so verlangte es das Gesetz des neuen Gottes...

Jetzt war er also verstoßen worden. Was blieb ihm noch, hatte man ihm gelassen? Ausgespien als, von sabbernden Würmern ausgefressene, Schale, ein Gefäß ohne Inhalt, trieb es ihn in grenzenlose Plage.  Sein jetziger Zustand, für ihn subjektiv unzweifelhaft als unerträglich erscheinend, erwies sich in obektiver Hinsicht doch als ein gewisser Segen, wie die entschwundenen Geister vergangener Jahrzehnte gewiss zugegeben hätten; eine schmerzliche Erschütterung im Wesen eines Menschen wird seinem Charakter gegenüber für gewöhnlich als sehr förderlich erachtet.
Welch Weh jedoch bedeutete nun die Realisierung des wahren Daseins in dieser einen, unaustauschbaren Welt!
An die Bastionen eines Pesthauches von Verstumpfung sah er turmhohe Wellen  von Wunderlichkeit und vergangener Glorie schlagen, deprimierende Überbleibsel von Gedanken, die im Ansatz noch mit dem Untergrund des sie denkenden Geistes verwachsen schienen. Im endlos erscheinenden Hohlraum zwischen unermesslicher Leere und abgrundtiefer Verblendung, in dem er sich jetzt befand, konnte es ihn nur zerreissen, oder auf die andere Seite treiben.
Letztendlich blieb ihm nur die erkaltete Asche, der schon längst von den Parasiten zersetzte Kadaver; in die Vergessenheit geganger Glaube eines durch Materialismus verheerten Landes. Zuflucht in einer wiedererstarkten Primitivität des Seins...
22.1.10 13:56
 


bisher 0 Kommentar(e)     TrackBack-URL

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)



 Smileys einfügen



Verantwortlich für die Inhalte ist der Autor. Dein kostenloses Blog bei myblog.de! Datenschutzerklärung
Werbung